Namen und Steine

Auf dem Boden vor der Kleinen Kirche in Karlsruhe sind seit 1. Dezember 1996 Pflastersteine in Form einer Grabfläche eingelassen. Auf den Steinen stehen NAMEN von Menschen, die an den Folgen von AIDS gestorben sind. Es sind NAMEN von Menschen aus dem Raum Karlsruhe und NAMEN von Prominenten. Ein Projekt der AIDS-Hilfe Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlers Tom Fecht.

AIDS ist längst nicht mehr anonym. AIDS trägt viele NAMEN. NAMEN sind Teil menschlicher Identität, Bruchstücke einer einmaligen Biografie. STEINE scheinen das Gegenteil zu sein: leblose Materie, Resultat erdgeschichtlicher Prozesse, ohne Belang, ohne Bedeutung. Die STEINE für dieses Projekt, die NAMEN tragen, sind alte, gebrauchte Pflastersteine, sogenannte Katzköpfe, aus Straßen und öffentlichen Plätzen aus ganz Europa.

Jeder STEIN ist einmalig. Sie unterscheiden sich durch ihre handwerkliche Fertigung, durch Farbe, Form, Größe, Material. Kein STEIN gleicht dem anderen, wie kein Mensch dem anderen gleicht. . Verbunden sind die STEINE durch NAMEN von Menschen mit einer gemeinsamen Todesursache: die bisher unheilbare Krankheit AIDS.

Die Selbstverständlichkeit und Einfachheit dieser ruhigen und bewusst unspektakulären Installation birgt Anteilnahme, fordert Solidarität, ermöglicht persönliche und kollektive Erinnerungen und mahnt Prävention. Gleichzeitig steht dieses Projekt für eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen einem Künstler und einer sozialen Institution. Es steht für das Engagement gegen die Tabuisierung und Ignorierung des Todes und tritt damit ein für ein Recht auf Trauer in der Öffentlichkeit.

Die erste feste Installation von NAMEN und STEINE wurde 1992 in Kassel anlässlich der Documenta IX angefertigt. 1994 wurde NAMEN und STEINE auf dem Schillerplatz vor dem Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart installiert. NAMEN und STEINE ist in vielen Städten zu finden, unter anderem auch in Berlin, Bonn,  Braunschweig, Dortmund, Hamburg, Koblenz und Weimar.

Auf der ganzen Welt gibt es Gedenkorte, an denen der vielen Menschen gedacht wird, die an Aids verstorben sind. Eine Übersicht über diese Gedenkstätten bietet: www.aidsmemorial.info


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